Babyblaue Prog-Review

von Thomas Kohlruß

Aus Potsdam stammen Minerva und sind seit 2008 aktiv. Seither sind eine EP und jetzt – 2013 – eben das Komplett-Debüt „Germinal“ erschienen. „Germinal“ gibt es als Download, ganz im aktuellen Zeitgeist als LP („Vinyl“) und auch als (anscheinend limitierte) CD in einem minimalistischen, aber ansprechenden Papp-Digipak. Die digitale Version kann man auf der Bandcamp-Seite der Band auch komplett streamen, so muss man keinesfalls die Katze im Sack kaufen (wobei die Investition ohnehin moderat ausfällt).

Auf ihrer Website schreiben Minerva, dass sie mit dem Einstieg des Saxophonisten Benjamin Ihnow den Sound gefunden hätten, den sie schon immer anstrebten. Gut, aber nicht einfach zu schubladisieren, was an das Ohr des Hörers dringt. Psychedelischer Rock, bei dem schon mal ordentlich georgelt wird (hier ist allerdings ein Gastmusiker am Werk), der aber nicht retro klingt. Postrockig dahin mäandernde Passagen, die aber immer wieder in hardrockige Ausbrüche münden. Jazzige, canterbureske Anklänge mischen sich ein, gerade wenn sich der schon genannte Saxophonist in den Vordergrund spielt. Ansonsten dominiert die Gitarre mit feinen Soli, fetten Riffs, percussivem Picking, WahWah-Einlagen und so weiter Minervas Klangwelt ganz ordentlich. Dazu umgarnen immer wieder hochmelodische Basslinien das Geschehen und im Untergrund wuselt dynamisch-vertracktes Schlagwerk vor sich hin. Und obwohl hier durchaus öfters gesungen wird, und das wahrlich nicht schlecht, hat das Album irgendwie einen instrumentalen Charakter. Liegt vielleicht daran, dass die ausladenden instrumentalen Passagen sich wirklich in die Ohren einbrennen und den Hörer zwar nicht erdrücken, aber ihn umhüllen und auf eine Reise mitnehmen.

Die Potsdamer agieren erfreulich eigensinnig und unkonventionell. Die längeren Stücke geizen nicht mit kleinen Gimmicks, originellen Wendungen und komplexen musikalischen Geflechten, so dass die Spannung hochgehalten wird. Durch Chorpassagen – gerade am Anfang des Openers -, die an militärische Motivationsgesänge erinnern, oder eingeflochtene Sprech-Passagen, in denen Gedichte bzw. poetische Texte rezitiert werden, wagt das Quartett auch Experimentelles. „Der gläserne Käfig“, ein Stück, welches ohnehin komplett aus dem Rahmen fällt, ist nahezu komplett um die Lyrik herum aufgebaut. Durchaus mutig, aber auch recht gelungen.

Vergleiche sind hier schwierig, Minerva ziehen schon ein recht eigenes Ding durch. Mir kommen am ehesten The Void’s last Stand in den Sinn, die ähnlich konsequent an Schubladen und Erwartungen vorbeimusizieren. „Germinal“ ist ein sympathisch verschrobenes, rundum gelungenes Debütalbum einer interessanten Band. Ich hoffe, dass ist der Auftakt zu weiteren guten Alben.

http://www.babyblaue-seiten.de/album_13898.html

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Artrock Affair (Minerva Interview-Podcast)

Es muss nicht immer England sein! Progkenner wissen natürlich, dass es auch in Deutschland exquisite Progbands gab (Grobschnitt, Hölderlin, Epitaph, Eloy, …) – und gibt. Der Beweis: Minerva! Die Potsdamer haben kürzlich ihr Debüt “Germinal” – stilecht als Konzeptalbum – veröffentlicht und die Artrock Affair ließ es sich natürlich nicht nehmen, dies zu würdigen und lud sich die Band ins Studio ein. Dadurch war es uns auch erstmals möglich, die Jukebox des Todes mit vier Personen in zwei Teams zu spielen…

Jan (Gitarrist) und Martin (Drummer) von Minerva stellten sich den Fragen von Thomas und Erik, bei denen auch folgende Geheimnisse ans Licht kamen:

Alte Scheunen und Fabrik-Hallen – wie ist Minervas Debüt entstanden und was für eine Geschichte erzählt das

 

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Vinyls arrived

IMG_8880Es sind einige ganz besondere Pflanzen, die unter der Obhut des Potsdamer Musik-Kollektivs „Brausehaus“ gedeihen – und das in Zeiten, in denen der musikalische Nachwuchs aufgrund der sich verschärfenden Proberaumsituation vom Aussterben bedroht ist. Eine der Bands aus dem Kollektiv, die am heutigen Samstag zum „Rock’n’Roll-Tresen“ im Kuze spielen wird, sind die Potsdamer Minerva — angelehnt an den Eröffnungssong des Deftones-Albums von 2003. Wer den psychedelischen Flickenteppich der Amerikaner kennt, wird da schon eine ungefähre Ahnung haben, was ihn mit Minerva erwartet: einlullende Rockkonstruktionen, die immer wieder von Progressive-Elementen durchbrochen wird. Retro? Ganz klar, aber die 70-er waren schließlich eine der kreativsten musikalischen Zeitalter und wirken bis heute nach. Doch Minerva schaffen es spielend, sich einen eigenen Stempel zu verpassen – schon durch den Einsatz eines Saxofons. Wer das großartige Record-Release-Konzert im Spartacus verpasst hat, bekommt am Samstag im Kuze noch mal die Gelegenheit, sich das anzuhören.

 

PNN

http://www.pnn.de/potsdam-kultur/801207/

 

Review Germinal

Im Intro zu „A Child Was Born In Spring“ wird ein Erbauungsgesang wie von US-Marinesoldaten zu rhythmischem Klappern angestimmt, den MINERVA des weiteren wieder aufgreifen, alldieweil Jans jazzig zartes Gitarrenspiel die dynamisch mäandernde Komposition über neun Minuten hinweg prägt. Das folgende „Before I Lost My Fight And Sight“ ist sogar etwas länger und auch kraftvoller, wobei der bissige Gesang aufgrund der Produktion zwar nicht hervorsticht, aber dennoch für einen weniger improvisatorischen als konkreten Eindruck sorgt. Hier kommt auch erstmals Saxofonist Benny zum Tragen, der dem Track eine leichte Canterbury-Note verleiht, obzwar die Gruppe eindeutig im psychedelischen Rock verortbar ist, weniger im Folk, den das knapp gefasste Instrumental „Der gläserne Käfig“ mit Akustikgitarre und Flöte hervorkehrt.

Mit „All I’ve Done“ reichen MINERVA den Anspieltipp der Platte für alle momentan Retro-Hörigen ein: epische Länge von über zwölf Minuten, griffige Grundstruktur mit erzählerischem Text sowie perlende Leadgitarren und kraftvolle Riffs gleichermaßen. Mittig platzieren die Musiker ihren Drummer mit einer Spoken-word-Performance auf Deutsch zu Unisono Bass und Gitarre – ein feistes Ausrufezeichen in puncto Originalität mit einem gewaltigen Ende, dessen Energie die Combo ins treibende „Hastily“ hinüberrettet, das wohl Seventies-lastigste Stück auf „Germinal“, mit dem auch der WITCHCRAFT- bis GRAVEYARD-Konsens zufriedengestellt sei.

MINERVA sind aber viel mehr als das, wie bisher ersichtlich geworden sein dürfte, und der selbstredende Abschluss „Schicht im Schacht“ gemahnt noch einmal in kompakter Form daran: Gesang und klare Motivik kennzeichnen auch dieses klassisch Haken schlagende Heavy-Rock-Stück, das Saxofon sorgt für einen beträchtlichen Mehrwert, und das Herz, mit dem die Musiker bei der Sache sind, hört man zu jeder Sekunde klopfen. Der Renzensent hätte sich eine moderne Produktion gewünscht, aber das ist ja schon fast Sünde in diesem Bereich.

FAZIT: MINERVA platzieren sich im vorderen Drittel ihrer Zunft – „Germinal“ ist ein buntes wie stringentes Album zwischen Psychedelic, geradaus geradeaus gerichtetem Rock und einigen krautigen Schrullen geworden, das keine Vergleiche scheuen muss, wobei sich die Band eine erfreulich unkalkulierte Herangehensweise bewahrt hat, ohne auf griffige Songs zu verzichten. Newcomer-Tipp spätestens Jetzt!

http://www.musikreviews.de/reviews/2013/Minerva/Germinal/

 

GERMINAL

SAXY SAXMAN TEASER