Konzert-Review

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29.01.16 Crossover AGM – Review, Jena , KuBa (w/LAU)

Den gibt es dafür dann bei Minerva – und das, obwohl deren Sänger/Bassist angeschlagen ins Rennen geht und den Gig stimmlich nur durchhält, weil ihm die Cosmic-Dawn-Veranstaltercrew eine große Tasse Tee gebraut hat und zudem die Songs ihm die Möglichkeit bieten, auch mal länger zu verschnaufen, wohingegen er gleich im mehrstimmigen Intro gefordert wird, die Anforderungen aber durchaus gekonnt meistert. Sangespartner sind hier der Gitarrist (mit Mikrofon, aber relativ weit entfernt von selbigem singend) und der Drummer (ohne Mikrofon und daher naturgemäß nur mit einer Hintergrundfunktion), aber solche mehrstimmigen Passagen bleiben im weiteren Verlauf des Sets eher selten. Mit sieben Songs plus einem als Zugabe spielen Minerva zweieinhalbmal so lange wie Lau – sie sind also Freunde ausladender Kompositionen und siedeln irgendwo im Progrock-/Progmetalareal, ohne sich aber irgendwo definitiv verankern zu wollen, mit einer Ausnahme: Spätestens als im dritten Song, der den kryptischen Titel „Urzel Schnurz“ trägt, ein Saxophonist mit auf die Bühne steigt und dort auch für den Rest des Sets aktiv bleibt (mit Fast-Ausnahme des Setclosers „All I’ve Done“, der ohne sein Instrument auskommt, ihn dafür aber für einige deutsch deklamierte Zeilen, die die Uniformität und Maschinisierung des heutigen menschlichen Lebens anprangern, ans Mikrofon wechseln läßt), springt einen ein Vergleich zu den frühen King Crimson förmlich an, und das ist beileibe nicht die schlechteste Referenz, die man als junge Potsdamer Band ums Revers gebunden bekommen kann. Der psychedelische Faktor fällt allerdings vergleichsweise niedrig aus, und Klangweltenerforscher wie Robert Fripp sind Minerva auch nicht – sie bewegen sich auf bekanntem Terrain, machen dort allerdings eine exzellente Figur und wissen Spieltechnik und Gefühl gekonnt miteinander zu verbinden. Dazu tritt der Humorfaktor, der sich in den Ansagen Bahn bricht („Das Leben als Rockstar hat ja auch so seine Schattenseiten – aber die haben wir noch nicht kennengelernt“), und wenn jetzt noch der Sänger richtig gesund gewesen wäre, man hätte von einem durchgängig erstklassigen Gig sprechen dürfen. Dabei kämpft der durchaus und hat auch Erfolg, aber man wird das Gefühl nicht los, die Band doch lieber nochmal hören zu wollen, wenn er wieder richtig fit ist. Allen wüsten Taktarten zum Trotz verstecken Minerva aber trotzdem reichlich Grundsatztanzbarkeit in ihren Songs, und das weiß das Publikum auch zu würdigen und schwingt zumindest zu diesen Gelegenheiten im Verlaufe des Gigs zunehmend das Tanzbein (wenn auch nicht ganz so heftig wie z.B. bei Monomyth sechs Wochen zuvor an gleicher Stelle), während ansonsten eher aufmerksames Mitverfolgen der musikalischen Evolution (die so manch spannendes Ergebnis zeitigt) angesagt ist. Solange die deutsche Szene solche Bands hervorzubringen in der Lage ist, braucht man sich um sie keine Sorgen zu machen und sollte dann bei ihnen nur die Säle füllen – da läßt der Abend nämlich durchaus etwas Spielraum nach oben, obwohl Minerva nicht zum ersten Mal im Kulturbahnhof spielen. Aber die Anwesenden spenden reichlich Applaus, und so kommt das Quartett auch nicht um die Zugabe „Before I Lost My Fight Inside“ herum, die aufgrund ihrer Rhythmik eher in die Zuhör- als in die Tanzbein-Kategorie fällt, aber einen starken Gig trotzdem prima abschließt.

http://www.crossover-agm.de/160129.htm

10.06.14 PNN – Review, zum T-Werk Auftritt (in TON/LICHT/SCHAUSPIEL)

geschrieben von Oliver Dietrich

Die Brausehaus-Band Minerva führte im T-Werk ihr neues Konzeptalbum auf. Düster und theatralisch und insgesamt ergreifend war das.

Man sollte nicht zu viele Superlative benutzen, um eine Beschreibung glaubwürdig zu machen – das weiß doch jeder. Aber es gibt Fälle, in denen genau das schwer ist, weil die Superlative sich förmlich aufdrängen.

Das Konzert der Potsdamer Band Minerva, die am vergangenen Freitag im T-Werk ihr Konzeptalbum „Germinal“ aufführte, ist so ein Fall. Vielleicht auch gerade weil nicht einfach nur ein Konzert angekündigt war: Eine Aufführung in Licht, Bild und Ton wurde angekündigt, auf Plakaten, die der Kinowerbung der 50er-Jahre verbunden waren. Das klingt schon mal viel versprechend. Normalerweise sind es dann auch die Künstler, die vor den Konzerten angespannt sind und gegen ihre Aufregung kämpfen – aber am Freitag hatte man selbst etwas von dieser Nervosität im Blut, der Ungewissheit geschuldet, was einen nun erwarten würde. Der ganze Abend war das Abschlussprojekt von Robin Wittkowski, der im T-Werk eine Ausbildung zum Veranstaltungstechniker gemacht hat, und jetzt zeigen konnte, was er gelernt hat. Wohl auch deshalb der ungewöhnliche Ort für ein Konzert, finden doch im T-Werk hauptsächlich Theaterstücke statt.

Düster wurde es, in einem arhythmischen Stakkato wurde zunächst auf Fässer und Rohre geschlagen. Das war dem T-Werk angemessen theatralisch: Drei Schauspieler inszenierten mit Requisiten der Wanderer – Feldbett, Spaten, Kartoffelsäcke – ihre Ruhelosigkeit, getragen von den einwickelnden Songs von Minerva. Das war trudelnde, verspielte Musik, die so atemberaubend war, dass sie schon von selbst Geschichten erzählte, mit komplexen, ausgefeilten Bögen. Die Kombination mit der Assoziativität der Musik und dem schweigenden Schauspiel der drei Gestalten war ergreifend: etwa als einer der Schauspieler sich das Gesicht vor einem Spiegel wusch und sich dann in das Bett legte – während die anderen in Hasenmasken um den Schlafenden tanzten. Das war wirklich ekstatisch, eine Reminiszenz an „Alice im Wunderland“, nur bedrückender.

Es wurde verdammt hoch gepokert und auf Effekte gesetzt – aber haushoch gewonnen. Das Atmosphärische der Musik passte perfekt zu dem, was sich gleichzeitig auf der Bühne und im Kopf des Betrachters abspielte. Und das konnte albtraumhaft dramatisch werden, mit Bewegungen, die zu Geräuschen verknüpft wurden, mit Brecheisen auf Stahlrohre etwa, während sich die Band bewusst im Hintergrund des krachenden Schepperns hielt. Dabei konnte Minerva so unglaublich zart spielen, mit Saxofon oder Querflöte etwa. Das berührte ganz tief. Ein bewegendes Konzert, das mit tosendem Applaus honoriert wurde.

http://www.pnn.de/potsdam-kultur/863119/

07.02.14 Gängeviertel/Hamburg (w/Pelagic Zone)

geschrieben von Alexander

07.02. – Die vier Jungs von MINERVA verlassen das erste Mal seit Bestehen der Band ihre Heimatstadt Potsdam, um im Hamburger Gängeviertel in der Fabrik ein wirklich grandioses Konzert zu spielen und ihre neue Platte zu promoten.

Pünktlich um 21:00 Uhr entern die vier Jungs die Bühne und geben gleich zu Anfang ein recht groteskes Bild ab: Bei Minusgraden vor der Tür steht die Hälfte der Band barfuß auf der Bühne. Sänger und Bassist Enrico legt sogar noch einen drauf und trägt nur eine kurze Hose mit T-Shirt. Das Outfit ist jedoch gut gewählt, denn gleich mit ihrem ersten Song „Urzel Purzel“ heizen die Jungs die Stimmung ordentlich auf und die ersten Fans im Publikum fangen an, ihre Köpfe rhythmisch zu bewegen. Die Jungs beherrschen ihre Instrumente zweifelsohne hervorragend und bringen ihren Progressive / Psychedelic Art-Rock gut über die Bühne. In den Spielpausen zeigen sie sich überraschend wortgewand und lassen sich auch durch kleine technische Probleme wie ein leicht übersteuerndes Saxophon nicht aus der Ruhe bringen.Abgesehen von den Problemen mit dem Saxophon ist auch der Sound einsame Spitze und für die kleine Location überraschend laut. Die Fabrik im Gängeviertel ist für eine doch recht unbekannte Art-Rock Band aus Potsdam auch gut gefüllt und etwa 100 Leute tummeln sich vor der kleinen Bühne und feiern die Songs gut ab. Von Song zu Song steigern sich sowohl die Musiker, die sichtlich Spaß an dem haben, was sie tun, als auch die Fans. Anfangs gab es nur vereinzelt kopfschüttelnde Leute, doch zum Ende des 60-minütigen Auftritts ist das halbe Publikum am Zelebrieren und sorgt dafür, dass MINERVA die Reise nach Hamburg nicht bereuen.

Die vier Jungs harmonieren auf der Bühne perfekt zusammen und liefern einen super Auftritt ab. Auch für eingefleischte Fans der Band birgt der letzte Song eine Überraschung: Die letzten drei bis vier Minuten werden komplett improvisiert, sodass dieser Auftritt etwas ganz Besonderes wurde.

Setlist MINERVA

1. Urzel Purzel
2. Hastily
3. A Child Was Born In Spring
4. Before I Lost My Fight & Sight
5 Schicht Im Schacht
6. All I’ve Done

 

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